INTERVIEW MIT ROMAN SCHMID, INHABER BELLEVUE APOTHEKE – Thema: Digitalisierung in der Apothekerlandschaft

Die 1887 gegründete Bellevue Apotheke ist ein Schweizer Traditionsunternehmen am Zürcher Hausplatz. Die einzige 24/7 Apotheke überzeugt neben ihren Dienstleistungen auch mit einem aussergewöhnlich kompetenten und freundlichen Team.

Herr Schmid, über welche Kanäle sprechen Sie Ihre Kunden an? (online- und offline)

Das Apothekerbusiness ist stark geprägt von persönlichen Beziehungen. Unsere Zielgruppen sind zum Einen Ärzte, Spitäler, Pharma- und Kosmetikunternehmen und zum Anderen der Endkunde. Die Bellevue Apotheke verzeichnet neben einer stetigen Laufkundschaft eine grosse und treue Stammkundschaft. Mit dieser pflegen wir in erster Linie den direkten Kontakt vor Ort und bieten professionelle und kompetente Beratungsleistungen in einem angenehmen Ambiente. Daneben nutzen wir unsere Webseite sowie unsere sozialen Medien Facebook und Instagram. Im Kosmetikbereich haben Kunden die Möglichkeit, mittels einer Prozentkarte Rabatte zu erhalten. Auf weitere Marketing- und Kommunikationsmassnahmen verzichten wir aber bewusst.

Als etablierte Apotheke sind wir in der priviligierten Situation, dass wir gute Beziehungen zu Industrie sowie zu Ärzten und Spitälern haben. Zum Beispiel ist unser Schaufenster, welches als Plattform für Ausstellungsprodukte dient, ein Jahr im Voraus ausgebucht. Somit begrenzt sich unser Aufwand auf das rein Organisatorische.

Sie setzen also auf Bekanntheitsgrad und Netzwerk. Halten Sie allgemein Marketing- und Kommu- nikationsmassnahmen für überbewertet?

Ich bin überzeugt, dass in unserer digitalisierten Welt Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen in einem besonderen Mass hervorgehoben werden müssen, damit sie überhaupt noch gesehen werden. In unserem Fall habe ich mich damals dafür entschieden, in die Ausbildung meines Personals zu investieren anstatt in Werbung. Diese Vorgehensweise hat sich bis heute bewährt. Die Bellevue Apotheke ist bekannt für Ihr freundliches und sehr kompetentes Personal.

Zudem bin ich überzeugt, dass die persönliche Beziehungspflege im Apothekerumfeld ein entscheidender Wettbewerbsvor- teil darstellt. Aber natürlich gehen wir auch mit der Zeit. Wir haben mittlerweile unsere sozialen Plattformen hochgefah- ren, sind aktuell an einer Webseitenoptimierung und sind offen für neue und packende Ideen was die Vermarktung unserer Apotheke und unserer Produkte angeht.

Wie beeinflusst die Digitalisierung die Apotheken-Landschaft?

Die Digitalisierung wird sicher Prozessabläufe vereinfachen und effizienter gestalten und dem Kunden wird ein Mehrwert geboten. Wir haben ja bereits heute Personal, welches mit dem IPad zum einzelenen Kunden geht und dessen Bedürfniss abfragt. Dabei ist mir aber wichtig, dass der persönliche Kontakt zwischen Apotheker und Kunde nicht zu kurz kommt. Denn besonders im medizinischen Umfeld braucht es eine persönliche und vertrauenswürdige Ansprechperson.

Dr. Google ist heutzutage vielfach die erste Anlaufstelle für Patienten. Wie spüren Sie diese Entwick- lung in Ihrem Umfeld?

Die Anzahl an Kunden, welche sich zuerst übers Internet informieren, nimmt auch bei uns stetig zu. Ich persönliche bin kein Fan von dieser Entwicklung, da jedes Krankheitsbild individuell ist und immer eine pesönliche Beratung braucht.

Diesbezüglich habe ich eine schöne Anekdote: „Ein Herr kommt zu uns in die Apotheke und erkundigt sich, ob wir auch AIDS Medikamente verkaufen. Wir sind eine Apotheke, klar vertreiben wir auch AIDS Medikamente, wieso er dies wissen wolle. Er: Ich habe mich im Internet über die Symptome informiert und ich glaube, dass ich AIDS habe. Wir: Haben sie den einen ärztlichen Befund, der das Krankheitsbild bestätigt bzw. können sie uns ein Arztrezept vorweisen? Er: Nein, das benötige ich nicht, meine Symptome sind exakt diejeinigen, welche Google beschreibt.“

Die sogenannte Cyberchondrie nimmt immer wie mehr Überhand und ist für unser Personal nicht immer ganz einfach zu handhaben. Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zeiten der Digitalisierung und der immer grösseren Infor- mationsflut uns wieder auf alte Werte besinnen werden, nämlich auf die „Face to Face-Kommunikation“.

Herr Schmid, vielen Dank für das sehr spannende und aufschlussreiche Gespräch! Erfahren Sie mehr über die Bellevue Apotheke unter https://bazh.ch