Wie steht es um die Digitalisierung im Schweizer Spitalwesen?

Dieses Jahr wird in allen stationären Einrichtungen (Spitäler, Rehakliniken und Psychiatrien) das elektronische Patientendossier (EPD) eingeführt. Das Projekt wird seit 2009 diskutiert. Über zehn Jahre später ist es nun soweit, nicht zur Freude aller Parteien. Denn die obligatorische Einführung ist nicht für alle zwingend und stellt für diejenigen Institutionen, welche von Gesetzes wegen dazu verpflichtet werden, einen enormen Aufwand dar.

Das Wichtigste zum EPD

  • Stationäre Einrichtungen (Spitäler, Rehakliniken und Psychiatrien) sind verpflichtet, bis 2021 ihren Patienten EPDs anzubieten
  • Geburtshäuser und Pflegeheime müssen bis 2022 nachziehen
  • Ambulante Leistungserbringer (Ärzte, Spitex und Apotheken) entscheiden individuell, ob sie beim EPD mitmachen möchten
  • Für die Bevölkerung ist es freiwillig
  • Es besteht ein Bundesgesetz über EPD

Klare Vorteile für den Patienten

  • Speicherung von persönlichen Gesundheitsdaten wie Röntgenbilder oder Arztberichte an einem zentralen Ort
  • Jederzeitiges Abrufen der Daten möglich
  • Der Patient entscheidet, wer Zugriff auf seine Daten hat
  • Der Patient hat zu jeder Zeit Einsicht in seine Akten. Bis anhin musste er die Dokumente jeweils bei seinem behandelten Arzt einfordern
  • In einer Notsituation (z.B. bei Bewusstlosigkeit des Patienten) können Gesundheitsfachpersonen auch ohne Zugriffsrechte auf das EPD zugreifen, sofern dieser Zugriff in den Einstellungen nicht aktiv untersagt wird

Für die Ärzte und das Gesundheitswesen ist der Nutzen eines E-Patientendossiers in der jetzigen Form noch nicht ganz klar. Gemäss einer Befragung von Synpulse aus dem Jahr 2020 existieren unterschiedliche Meinungen zwischen den Unternehmensbereichen. Dabei sehen die Befragten aus dem Bereich Medizin/Pflege den grössten Nutzen gefolgt von der Geschäftsleitung/Direktion. Am deutlich niedrigsten stuft der Bereich IT/Medizintechnik den Nutzen eines EPDs ein. Diese kritische Haltung kann damit zusammenhängen, dass IT und Direktion näher bzw. direkt am Umsetzungsprozess mitbeteiligt sind und die Herausforderungen besser kennen und einschätzen können.

Mögliche Vor- und Nachteile für Patient und Gesundheitsfachperson

  • Transparenz in der Behandlung und bessere Behandlungsqualität, da alle relevanten Arztberichte für eine fundierte Diagnosestellung und Weiterbehandlung vorhanden sind
  • Das Risiko von Fehlentscheidungen wird gesenkt
  • Notfallmassnahmen können schnell aufgrund Einsicht in das EPD vor Ort eingeleitet werden
  • Wie umfassend das EPD von Patienten und Gesundheitsfachpersonen genutzt wird, ist noch nicht klar

Dabei werden kritische Stimmen seitens Gesundheitsinstitutionen laut:

  • Das EPD sei ein PDF-Ablageordner und eine Wüste von vielen Dokumenten, in der sich Arzt und Patient erst einmal zurechtfinden muss
  • Zum Beispiel lassen sich keine elektronischen Rezepte erstellen oder eine automatische Zusammenstellung der Medikation ist auch nicht möglich
  • Das EPD kostet viel und bringt verhältnismässig mehr Aufwand als Ertrag
  • Der Aufwand die Daten bereitzustellen ist riesig und bringt vergleichsweise zu wenig Nutzen. Zumal nicht alle Akteure im Gesundheitsbereich dazu verpflichtet werden 

Ist eine Effizienzsteigerung durch das EPD gewährleistet?
Aus der Synpulse-Studie geht hervor, dass sich hier ein ähnliches Bild wie bei der Frage nach dem Mehrwert zeichnet. Der Bereich Medizin/Pflege geht zu 51% von einer Verbesserung der täglichen Arbeit aus. Hingegen sehen 35% der Geschäftsleitung/Direktion, 34% der IT/Medizintechnik und 27% der Unternehmensentwicklung keinen Effizienzgewinn durch das EPD.

Die grössten Hemmschwellen für eine optimale Nutzung des EPDs sehen die Befragten der Synpulse-Studie im personellen Ressourcenmangel. Gefolgt von zu geringer Priorität, welchem dem Thema zugesprochen wird oder fehlendes Projektbudget. 

Ursprünglich wäre die Einführung auf April 2020 geplant gewesen. Der Start wurde aber aufgrund eines erweiterten Zertifizierungsverfahrens verschoben. Es bleibt weiterhin offen, wann das EPD überall in der Schweiz verfügbar sein wird.

Quelle: Markstudie der Management-Beratung Synpulse 2020 – Auf dem Weg zum «digitalen Spital».
Bild: www.patientendossier.ch

 

Wie steht es um die Digitalisierung im Schweizer Spitalwesen?

Inwieweit begleiten und unterstützen Schweizer Spitäler ihre Patienten auf ihrem Patientenpfad? Der Patientenpfad wird in die drei Phasen, vor, während und nach dem Spitalaufenthalt, eingeteilt. Dabei soll der Patient in den Mittelpunkt gerückt und die Prozesse seinen Bedürfnissen angepasst werden.

Digitalisierung entlang der Phase vor dem Spitalaufenthalt
In der Phase vor dem eigentlichen Spitalaufenthalt liegt der Fokus auf der optimalen Vorbereitung für den Patienten und das Spital. Mittels digitalen Tools soll der Patient möglichst einfach und effizient alle administrativen Aufgaben erledigen können. Dazu zählen zum Beispiel das Übermitteln von administrativen Daten, die Menüauswahl oder präoperative Beratungs- und Aufklärungsgespräche. Aktuell finden sich aber kaum digitale Instrumente in den Spitälern, welche diese Phase des Patientenpfads unterstützen würden.  

Digitalisierung entlang der Phase während dem Spitalaufenthalt
In dieser Phase geht es vor allem um die Gestaltung einer effizienten und transparenten Koordination und Kommunikation mit dem Patienten. Digitale Hilfsmittel können dabei helfen, den Aufenthalt für den Patienten angenehmer zu gestalten. Self-Services in dieser Phase betreffen vor allem digitale Medikationspläne, Terminverwaltungen, Patientenbefragungen oder Dienstleistungen rund um die Hotellerie wie zum Beispiel die digitale Menübestellung. Bis heute werden diese Services aber noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Die digitale Gebäudenavigation kommt praktisch in keinem Spital zur Anwendung. Immerhin scheint der Ansatz der Hotellerie-Services in rund der Hälfte der befragten Spitälern in Diskussion zu sein.

Digitalisierung entlang der Phase nach dem Spitalaufenthalt
In dieser Phase geht es um eine optimale Unterstützung des Patienten, damit der Genesungsprozess und die weitere Nachsorge optimal gestaltet werden kann. Die Autoren dieser Studie sehe hier ein grosses Potential, da sich hier der digitale Austausch zwischen Spital und Patient im Wesentlichen darauf beschränkt, dem Patienten Dokumente bereitzustellen. Einen Mehrwert für den Patienten, aber auch für das Spital wären hier Service-Leistungen wie die digitale Unterstützung für die Nachsorge-Untersuchung oder digitale Kommunikationsmöglichkeiten, welche über den üblichen Email-Verkehr hinausgehen.

Fazit und Ausblick
Eine ganzheitliche digitale Unterstützung des Patientenpfads durch die Schweizer Spitäler erfolgt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Digitale Instrumente werden vor allem in den Phasen während und nach dem Spitalaufenthalt eingesetzt. Vor dem effektiven Aufenthalt existieren so gut wie keine Self-Services, welche eine effizientere Prozessgestaltung ermöglichen und dabei den Patienten so gut möglich unterstützen würden. Die COVID-19 Pandemie brachte auch die fehlenden digitalen Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Mitarbeitenden selbst wie auch die Kommunikation zwischen Spital und Patient zum Vorschein. Jedoch wurden zwischenzeitlich in vielen Spitälern digital aufgerüstet und Potentiale in diesem Bereich erkannt. 

Im vierten und letzten Teil dieser Blog-Serie geht es um das Thema «elektronisches Patientendossier».

 

Quelle und Bilder: Markstudie der Management-Beratung Synpulse 2020 – Auf dem Weg zum «digitalen Spital».

 

Blog-Serie 2/4: Wie steht es um die Digitalisierung im Schweizer Spitalwesen?

Die Digitalisierung ist in vielen Bereichen bereits weit fortgeschritten und nimmt, nicht zuletzt auch wegen Corona, an Fahrt auf. Entsprechend ändern sich dadurch auch unsere Erwartungen und Bedürfnisse bezüglich Effizienz, Qualität und Kosten. So auch im Gesundheitsbereich. Als Patient setzen wir länger je mehr voraus, dass Serviceleistungen unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung stehen.

Doch was versteht man unter digitalen Self-Services? Damit werden automatisierte Serviceleistungen verstanden, die der Kunde ohne Beteiligung einer Drittperson in Anspruch nehmen kann. Während solche Services in vielen Branchen bereits fest etabliert sind, hinken Schweizer Spitäler der digitalen Transformation noch immer hinterher. Dabei würden gerade solche Self-Services vor, während und nach dem Spitalaufenthalt einen bedeutenden Nutzen für Patient und Spital darstellen.

Online Check-in als Beispiel für eine Self-Service Leistung vor dem Spitalaufenthalt

Nutzen für den Patienten
Für den Patienten bringt ein online Check-in in vielerlei Hinsicht einen grossen Nutzen. Zum einen kann er bequem von zu Hause aus sich für den bevorstehenden Spitalaufenthalt anmelden und seine administrativen Daten elektronisch übermitteln. Zudem gibt es ihm ein gutes Gefühl, dass er auf eine gewisse Art und Weise Einfluss auf den Prozess nehmen kann, was wiederum zu einer gesteigerten Zufriedenheit führt.

Nutzen für das Spital
Werden dem Patienten immer mehr Arbeitsschritte übergeben, so können Prozesse entschlackt und gegebenfalls konsolidiert werden, was wiederum zu einer effizienteren Prozessgestaltung führt. Weg von administrativen Aufgaben hin zu wertschöpfenden Arbeitsprozessen.

Gemäss der Spitalstudie von Synpulse liegt der Fokus von digitalen Self-Services in Schweizer Spitälern vorwiegend auf administrativen Leistungen vor dem Spitalaufenthalt. Nur wenige Spitäler haben in digitale Service-Leistungen während und nach dem Aufenthalt investiert. Das Potential von «Patient-Empowerment» ist gegenwärtig noch völlig ungenutzt. Brisant ist zudem, dass bei keinem der befragten Spitäler in der Kategorie Hotellerie keinerlei Self-Services gefunden werden konnten.

Corona hat ein Umdenken bzgl. Digitalisierungsstrategien bei den Spitälern gefordert und so sind einige Institutionen aktuell daran, sich mit diesem Thema aktiv auseinanderzusetzen.

Im dritten Teil dieser Blog-Serie geht es um das Thema «Digitalisierung entlang des Patientenpfads».

 

Quelle: Markstudie der Management-Beratung Synpulse 2020 – Auf dem Weg zum «digitalen Spital». https://themagazine.synpulse.com/

Photo: IStock

Wie steht es um die Digitalisierung im Schweizer Spitalwesen?

Das Schweizer Gesundheitswesen geniesst national wie auch international eine hohe Reputation. Die Corona-Pandemie stellte die Gesundheitsinstitutionen auf die Probe und zeigt in verschiedenen Bereichen die Stärken wie auch die Schwächen auf. Während die Krankenhäuser in der Schweiz seit geraumer Zeit unter anhaltendem Kostendruck stehen, nimmt dieser in der Krise weiter zu. Es erfolgen gesetzliche Einsparmassnahmen, welche die Rahmenbedingungen mitunter noch weiter verschärfen.

Das sind aktuell die wichtigsten Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen:

  • Gewichtige Eingriffe in die Tarifsysteme führen zu einem steigenden Personalaufwand sowie zu einem erhöhten Kostendruck.
  • Der Fachkräftemangel lässt sich auch 2021 nicht entschärfen, vor allem für die Berufsfelder Humanmedizin und tertiären Pflegeausbildung.
  • Der medizinische Fortschritt und die damit einhergehende Digitalisierung erfordern hohe Investitionen.
  • Es entwickelt sich eine immer stärkere multimorbide Patientenstruktur mit einer Verschiebung Richtung chronischer Erkrankungen, gepaart mit einem zunehmenden Bewusstsein für eine hohe Versorgungsqualität.
  • Die medizinische Versorgung wird durch die stetig steigende Spezialisierung und Komplexität stark fragmentiert.
  • Die Überalterung der Gesellschaft führt zu neuen Versorgungsmodellen und treibt damit die Kosten weiter in die Höhe.
  • Es ist ein Trend zur Ambulantisierung zu beobachten, was wiederum mit einem erhöhten Personalaufwand verbunden ist.
  • Im Allgemeinen ist die Erwartungshaltung an die medizinische Versorgung durch einen immer besser informierten und anspruchsvollen Patienten gestiegen. Diese Haltung wird durch digitale Innovationen und ständig verfügbare Informationen weiter beschleunigt.

Bei all diesen Herausforderungen und der grassierenden COVID-Pandemie besteht die dringliche Notwendigkeit einer digitalen Transformation in Schweizer Gesundheitsinstitutionen.

Im zweiten Teil dieser Blog-Serie geht es um das Thema «Self-Services für Patient und Spital».  

 

Quelle: Markstudie der Management-Beratung Synpulse 2020 – Auf dem Weg zum «digitalen Spital». https://themagazine.synpulse.com/

Photo by Arseny Togulev on Unsplash

Chronisch krank und ausgegrenzt von unserem Gesundheitssystem

Chronisch Kranke kämpfen nicht nur mit den Gesundheitsfolgen ihrer Krankheit, sondern sind auch häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Denn häufig sieht man den Betroffenen das Leid und die Schmerzen, die sie tagtäglich erleiden müssen nicht an. Hinzu kommt ein Unverständnis vieler Nicht-Betroffenen. Damit aber nicht genug – ein Artikel in der SonntagsZeitung vom 07. April 2019 deckt auf, wie unser Gesundheitssystem chronisch kranke Menschen ausgrenzt. Im Bericht ist von einem hochwirksamen Hepatitis-C-Medikament die Rede, das pro Packung CHF 14’000 kostet. Für eine wirksame Behandlung benötigt ein Patient drei Packungen, also CHF 42’000 im Ganzen. Doch nicht jedem der 40’000 betroffenen Hepatitis-C-Patienten in der Schweiz ist diese Medikation vergönnt. Denn die Apotheken weisen immer mehr Kunden ab. Der Grund: Sie haben Angst, dass die Krankenkassen nicht bezahlen.  Wie viel ist ein Menschenleben wert? Pharmafirmen rechtfertigen die stolzen Preise mit jahrelangen Forschungen und Investitionen, bis ein Medikament zugelassen wird. Apotheken, vor allem kleinere, rechtfertigen die Abgabeverweigerung der Medikamente mit ihrer Existenzsicherung. So hat jede Institution für sich Recht und stets eine plausible Argumentation im Köcher. Und welche Rechtfertigung hat der Endkunde, der eigentlich Betroffene? Angesichts der immer höher steigenden Krankenversicherungskosten und den gängigen Praxen mit chronisch kranken Menschen fällt es doch sehr schwer zu glauben, dass unser Gesundheitssystem in der Schweiz noch eine Vorreiterrolle innehat. Eine Utopie der Sondergleichen Das Thema Gesundheitswesen ist auch bei unseren Politikern hoch im Kurs. Der neuste Einfall, wie unser Gesundheitssystem gerettet werden kann, kommt von der SVP-Nationalrätin Yvonne Estermann mit folgenden Worten: «Wer vor einer möglichen Erkrankung auf teure Eingriffe wie z.B. eine Chemo-Therapie im Falle einer Krebserkrankung verzichtet, soll weniger Prämien bezahlen.» Diese Aussage ist gelinde gesagt nicht mal mehr provokant, sondern einfach nur unüberlegt und dumm. Denn würde ein solches Vorhaben ernsthaft in Betracht gezogen werden, würde die Politik vor allem junge Menschen oder Unterprivilegierte dazu animieren, auf jegliche medizinische Hilfe im Ernstfall zu verzichten. Chancengleichheit für alle Das Recht zu Leben ist ein Grundrecht. Das Recht auf medizinische Versorgung ebenfalls. Nur leider entscheidet vielfach der Geldbeutel, welche medizinische Betreuung einem zusteht und somit wie viel ein Menschenleben wert ist.

Wie grün sind unsere Umweltorganisationen wirklich? Und inwieweit tangiert das unser Gesellschaftsdenken?

Unsere Jugend hat den Sinn des demonstrierens wieder neu entdeckt, der VCS und Greenpeace verlieren massiv an Mitgliederzahlen während ProNatura an enormen Zulauf gewinnt. Kehren wir nun wieder zurück zur Mutter Natur oder geht es auch hier nur um die richtige Kommunikation?

Wer kennt sie nicht, die 16-jährige Greta, die vor ganzen Nationen spricht und sich für eine umweltbewusstere Welt einsetzt. Sie gilt als Vorbild vieler, als Vorreiterin für einen besseren und angepassten Lebensstil, weg von der Konsumgesellschaft hin zu einer Klimagerechtigkeit. Sie spricht vielen aus dem Herzen, doch wie ernsthaft sind die jüngsten Klimademonstrationen in der Schweiz wirklich einzuordnen, welche von einer dezentralen Jugendbewegung organisiert werden? Pure Leidenschaft, Interesse, Ohnmachtsgefühle der Teilnehmenden…? Das Beispiel der Grossdemonstration am 15. März 2019 zeigt eindrücklich, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. In der ganzen Schweiz marschierten 12’000, vorwiegend junge Menschen durch die Strassen und riefen für einen besseren Klimaschutz auf. Doch so euphorisch diese Aktion auch sein mag, ist sie doch mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Denn unter den Demonstrierenden war auch eine Vielzahl Schüler, welche die Wahl hatten, Schule oder Demo. Für was hätten Sie sich damals entschieden?

NGOs gelten als Vorbilder

Und wie steht es mit unseren Umweltorganisationen? Der VCS ist seit Jahre rückläufig und verliert immer mehr an Mitglieder und Spendeneinnahmen. Seitens VCS ist man überzeugt, dass sie die einzige Organisation seien, die sich konsequent und umfassend für einen umweltverträglichen Verkehr einsetzen. Der Mitgliederschwund hängt aber kaum damit zusammen, sondern eher, dass Autoversicherungen heute auch vielfach über die Autokonzerne selbst abgewickelt werden. Daher liegt es nahe, dass der VCS seine Kommunikation seit Jahren in die falschen Bahnen gelenkt hat. Denn dem Verein haftet ein Verhinderer-Image an und er gilt als Spassbremse. Als «Ökoterror» sprach sich gar der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber aus, als der VCS mit aller Kraft versuchte, das Hardturm-Stadion zu verhindern, trotz des JA’s der Zürcher Stimmgemeinde.

Und Greenpeace, einst der Vorreiter und Pionier im Kampf für Umwelt- und Tierschutz, büsst nun genau mit dieser Guerilla-Strategie an Image und somit an Mitgliederzahlen und Spenden ein. Denn der immerwährend dauernde Präsenz in den Medien, die Kompromisslosigkeit und der Radikalkurs sind heutzutage nicht mehr gesellschaftstauglich.

Lange dachte man, je pompöser herausposaunt wird und je grösser die Aufregung, desto mehr Spenden werden generiert. Die Abwärtsspirale von Greenpeace und VCS verdeutlichen aber, dass bei allen Anstrengungen nur eines wirklich zählt – die richtige und zeitgemässe Kommunikation!

P.S. Nachtrag zur Klimademonstration: Die städtischen Putz-Equipen hatten nach der Demo allerhand zu tun, um die Überreste wie PET-Flaschen und Transparente der Teilnehmenden zu entsorgen. Für das umweltgerechte Entsorgen wird wohl eine weitere Demo einberufen.

DER MÜNDIGE PATIENT FRAGT DR. GOOGLE

Gehören auch sie zu den Menschen, die ihre Krankheitssymptome googeln? Glückwunsch, damit gehören sie zu den «digital-health-Nomaden». Eine repräsentative Umfrage des Instituts gfs.bern hat gezeigt, dass 40% der Schweizer Bevölkerung zuerst ihre Krankheitssymptome googlen, ehe sie einen Arzt aufsuchen. Tendenz steigend. Denn immer mehr Menschen recherchieren ihre gesundheitlichen Probleme im Internet.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF hat sich diesen nicht ganz neuen Trend vom googelnden Patienten zunutze ge- macht und ein neues TV-Format «Ärzte vs. Internet» lanciert. In dieser sechsteiligen Serie geht es um den Umgang mit der eigenen Gesundheit in der digitalisierten Welt. Es ist eine Art Quiz-Show, in der sich Ärzte und Laien gegenüberstehen und versuchen herauszufinden, was den SRF-Vorzeigepatienten fehlt. Dabei greift die Ärztegruppe bei der Diagnosestellung auf ihr Fachwissen zurück, während die Laiengruppe sich das Internet zunutze machen kann, um herauszufinden, was dem Patienten fehlt. Das neue SRF-Format mutet an, zumal es sich um eine aktuelle und doch in irgendeiner Weise emotiona- le Thematik handelt. Erstaunlich ist, dass die Laien-Gruppe mithilfe des Internets recht häufig auf die richtige Diagnose kommt.

«Internetrecherche fördert Angst vor Krankheiten, die sogenannte Cyberchondrie»

Grundsätzlich mögen Ärzte googelnde Patienten nicht, da sie bereits mit einer vorgefertigten Meinung das Arztzimmer betreten und sich somit auch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient verändert. Auch wenn Google scheinbar auf viele Fragen eine Antwort liefern kann, bleibt offen, wie zuverlässig diese Informationen sind und ob der Laien diese überhaupt richtig einzuordnen vermag.

Die zunehmende Digitalisierung gekoppelt mit einem bewussteren Umgang mit Gesundheitsthemen wird den Trend des googelnden Patieten wahrscheinlich nicht mindern und auch nicht die Krankenkassenprämien senken. Eher das Gegenteil wird eintreffen, denn Cyberchondrie fördert noch mehr unnötige Arztbesuche als eigentlich nötig wären.

Eines ist aber sicher, für Hypochonder ist das neue SRF-Format ein Hochgenuss.

Alle Serien des SRF-Formats können Sie sich hier zu Gemüte führen: https://www.srf.ch/sendungen/aerztevsinternet

Interview mit Jérôme Bernhard, CEO CARAG AG – Thema: Digitalisierung im medizinischen Bereich

CARAG AG entwickelt hochstehende Produkte im medizinischen Bereich. Zum einen ist sie Ansprechpartner für Ärzte, Entwickler und MedTech-Unternehmen, welche innovative Produkte entwickeln wollen. Zum anderen investiert sie selber in eigene Innovationen und Ideen für die Neuentwicklung von Hightech-Produkten für die Spitzenmedizin.

Herr Bernhard, wie sprechen Sie Ihre Kunden an?

Unsere Zielgruppe sind Ärzte, Fachpersonen im medizinischen Bereich, Entwickler oder Investoren, welche in die Ent- wicklung eines neuen MedTech-Produktes investieren wollen. Für uns steht der persönliche Kontakt zum Menschen im Vordergrund. Sprich wir schalten keine Werbung und betreiben auch keine Social Media-Plattformen für unsere Kunden, sondern treten aktiv mit potentiellen oder bereits bestehenden Kunden an Kongressen, Events oder Messen in Kontakt. Ein fundiertes und breites Netzwerk im medizinischen und wissenschaftlichen Bereich ist für uns das A und O.

LinkedIn und Xing betreiben Sie aber unter CARAG, das sind ja auch soziale Plattformen.

Wir nutzen LinkedIn und Xing primär für unsere Mitarbeiterrekrutierung. Unsere Kunden sprechen wir aber nicht über diese Kanäle an. Social Media ist sehr kurzlebig. Ein Unternehmen muss diesbezüglich eine hohe Frequenz an Posts bieten, damit es überhaupt gesehen wird. Dazu benötigt es zusätzliche Ressourcen, welche wir lieber in unsere Entwicklung investieren.

Sie sagen Social Media ist sehr kurzlebig. Was wäre aus Ihrer Sicht ein guter Content für einen Post? Und würden Sie eher die Kombination Bild/Text oder eher ein Video als Content bevorzugen?

Meiner Meinung nach ist der Inhalt nicht matchentscheidend, sondern eher die Frequenz und die Abwechslung des Themas. Ich persönlich bevorzuge ein ausdruckstarkes Bild mit einer starken Headline. Der User kann aufgrunddessen sehr schnell entscheiden, ob er sich den Artikel zu Gemüte führen möchte oder nicht.

Was glauben Sie, wie werden wir in 10 Jahren miteinander kommunizieren?

Wenn ich das wissen würde wäre ich Millionär… da muss ich wohl einen etwas abstrakten Ansatz für die Beantwortung der Frage wählen. Informationen werden künftig in einer noch schnelleren Frequenz verfügbar sein. Dafür benötigen wir ein noch bessere Sensorium, um diese ungefilterten Nachrichten sortieren zu können. Ich gehe davon aus, dass es Instanzen geben wird, welche die wichtigen von den unwichtigen Informationen für den individuellen Gebrauch trennen werden. In diesem Sinne gibt es diese heute ja bereits, die sogenannten Peers, Fachexperten oder Freunde und Bekannte, mit denen wir verlinkt sind. Auf LinkedIn erhalte ich ja zum Beispiel nur die Beiträge von meinen Gruppen und Verlinkungen. Ich denke, dass sich diese Instanzen in Zukunft noch verschärfen werden und sich die individualisierten Profile noch besser nach eigenen Informationsbedürfnissen filtern lassen.

Im wissenschaftlichen Bereich haben Publikationen grosse Beachtung und sind ein Indiz für Qualität. Wenn eine Studie oder ein Review in einem namhaften Journal publiziert wird, dann hat der Autor, die Studie oder das Produkt einen sehr hohen Stellenwert. Solche Publikationen streben wir an.

Wird sich unser Leben durch die digitale Revolution im Gesundheitsbereich fundamental ändern?

Ich denke nicht, dass es in der nahen Zukunft grundlegende Änderungen im medizinischen Bereich punkto Behandlungen geben wird. Die Medizin ist ein komplexer Bereich, geprägt von einem starken Sicherheitsanspruch, und daher sind Revolu- tiomnen selten. Eine Diagnose ist immer sehr individuell und kann nicht auf die Allgemeinheit übertragen werden.

Ich bin aber überzeugt, dass die Digitalisierung auf Ebene der Prozessoptimierung und der Arbeitsabläufe, wie zum Beispiel die elektronischen Patientendossiers, sich bemerkbar machen bzw. grosse Fortschritte erzielen werden. Digitalisierung steigert sicher zu einem gewissen Grad die Effizienz und das ist auch gut so.

Herr Bernhard, vielen Dank für das sehr spannende und aufschlussreiche Gespräch! Erfahren Sie mehr über CARAG AG unter www.carag.com

Chronisch Kranken eine Stimme geben – Social Media sei Dank

Wie nutzen Sie ihre Social Media-Plattformen? Sind sie eher der Typ der sich passiv berieseln lässt und ab und zu mit Freunden und Bekannten  kommuniziert oder sind sie eher der aktive Typ, der eigenen Content erarbeitet und ins Netz stellt? Ferienposts, Foodporn, Katzenvideos oder gestählte Körper ohne jeglichen Fettanteil stellen einen Grossteil des Contents auf bestimmten sozialen Plattformen dar. Was aber ist der Mehrwert dieser Plattformen? Selbstinszenierung, zur allgemeinen Belustigung oder einfach nur, um am Leben von anderen, von zum Teil wildfremden Menschen, teilzuhaben?
Unbestritten ist, dass soziale Medien zu unserem täglichen Medienkonsum dazugehören. Auch Firmen sind auf den Social Media-Zug aufgesprungen und posten und vermarkten fleissig ihre Produkte oder Dienstleistungen.

Social Media verändert die Gesellschaft

2017 entstand der Hashtag meeToo und Social Media erhielt mit dieser neuen Entwicklung noch mehr Persönlichkeitscharakter. Opfer prangern ihre Peiniger an, geben öffentlich ihr Erlebtes zum Besten und verlangen nach Transparenz. Auch ein etwas neueres Phänomen ist, dass Privatpersonen ihre Krankheitsgeschichte und somit ihre ganz persönliche Leidensgeschichte erzählen. Social Media, Plattformen für die soziale Interaktion, dienen also nicht nur dem Einzelnen, sondern werden auch zum Sprachrohr für eine ganze Gesellschaft.

Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung ist chronisch krank

Einer, der chronisch kranken Menschen eine Stimme gibt, ist der SRF Virus Moderator Robin Rehmann. Mit seinem Format «Sick of Silence» haben Betroffene die Möglichkeit, ihre Geschichte in einem Interview mit der Öffentlichkeit zu teilen. Diese Beiträge werden im Anschuss auf die sozialen Medien hochgeladen und verbreitetet. Das Posten von persönlichen Schicksalstories schafft somit Aufklärung, Sensibilisierung und Akzeptanz und macht Social Media zu einem ganz neuen Tool, dass neben lustigen Katzenvideos auch wertvollen Content mit Mehrwert liefert und somit eine Gesellschaft nachhaltig bezüglich Wertvorstellungen und Ansichten verändern kann.

Alle Podcasts und Beiträge von Robin Rehmann findet man unter:
srf.ch/radio-srf-virus/rehmann oder unter acebook.com/robinrehmann

INTERVIEW MIT ROMAN SCHMID, INHABER BELLEVUE APOTHEKE – Thema: Digitalisierung in der Apothekerlandschaft

Die 1887 gegründete Bellevue Apotheke ist ein Schweizer Traditionsunternehmen am Zürcher Hausplatz. Die einzige 24/7 Apotheke überzeugt neben ihren Dienstleistungen auch mit einem aussergewöhnlich kompetenten und freundlichen Team.

Herr Schmid, über welche Kanäle sprechen Sie Ihre Kunden an? (online- und offline)

Das Apothekerbusiness ist stark geprägt von persönlichen Beziehungen. Unsere Zielgruppen sind zum Einen Ärzte, Spitäler, Pharma- und Kosmetikunternehmen und zum Anderen der Endkunde. Die Bellevue Apotheke verzeichnet neben einer stetigen Laufkundschaft eine grosse und treue Stammkundschaft. Mit dieser pflegen wir in erster Linie den direkten Kontakt vor Ort und bieten professionelle und kompetente Beratungsleistungen in einem angenehmen Ambiente. Daneben nutzen wir unsere Webseite sowie unsere sozialen Medien Facebook und Instagram. Im Kosmetikbereich haben Kunden die Möglichkeit, mittels einer Prozentkarte Rabatte zu erhalten. Auf weitere Marketing- und Kommunikationsmassnahmen verzichten wir aber bewusst.

Als etablierte Apotheke sind wir in der priviligierten Situation, dass wir gute Beziehungen zu Industrie sowie zu Ärzten und Spitälern haben. Zum Beispiel ist unser Schaufenster, welches als Plattform für Ausstellungsprodukte dient, ein Jahr im Voraus ausgebucht. Somit begrenzt sich unser Aufwand auf das rein Organisatorische.

Sie setzen also auf Bekanntheitsgrad und Netzwerk. Halten Sie allgemein Marketing- und Kommu- nikationsmassnahmen für überbewertet?

Ich bin überzeugt, dass in unserer digitalisierten Welt Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen in einem besonderen Mass hervorgehoben werden müssen, damit sie überhaupt noch gesehen werden. In unserem Fall habe ich mich damals dafür entschieden, in die Ausbildung meines Personals zu investieren anstatt in Werbung. Diese Vorgehensweise hat sich bis heute bewährt. Die Bellevue Apotheke ist bekannt für Ihr freundliches und sehr kompetentes Personal.

Zudem bin ich überzeugt, dass die persönliche Beziehungspflege im Apothekerumfeld ein entscheidender Wettbewerbsvor- teil darstellt. Aber natürlich gehen wir auch mit der Zeit. Wir haben mittlerweile unsere sozialen Plattformen hochgefah- ren, sind aktuell an einer Webseitenoptimierung und sind offen für neue und packende Ideen was die Vermarktung unserer Apotheke und unserer Produkte angeht.

Wie beeinflusst die Digitalisierung die Apotheken-Landschaft?

Die Digitalisierung wird sicher Prozessabläufe vereinfachen und effizienter gestalten und dem Kunden wird ein Mehrwert geboten. Wir haben ja bereits heute Personal, welches mit dem IPad zum einzelenen Kunden geht und dessen Bedürfniss abfragt. Dabei ist mir aber wichtig, dass der persönliche Kontakt zwischen Apotheker und Kunde nicht zu kurz kommt. Denn besonders im medizinischen Umfeld braucht es eine persönliche und vertrauenswürdige Ansprechperson.

Dr. Google ist heutzutage vielfach die erste Anlaufstelle für Patienten. Wie spüren Sie diese Entwick- lung in Ihrem Umfeld?

Die Anzahl an Kunden, welche sich zuerst übers Internet informieren, nimmt auch bei uns stetig zu. Ich persönliche bin kein Fan von dieser Entwicklung, da jedes Krankheitsbild individuell ist und immer eine pesönliche Beratung braucht.

Diesbezüglich habe ich eine schöne Anekdote: „Ein Herr kommt zu uns in die Apotheke und erkundigt sich, ob wir auch AIDS Medikamente verkaufen. Wir sind eine Apotheke, klar vertreiben wir auch AIDS Medikamente, wieso er dies wissen wolle. Er: Ich habe mich im Internet über die Symptome informiert und ich glaube, dass ich AIDS habe. Wir: Haben sie den einen ärztlichen Befund, der das Krankheitsbild bestätigt bzw. können sie uns ein Arztrezept vorweisen? Er: Nein, das benötige ich nicht, meine Symptome sind exakt diejeinigen, welche Google beschreibt.“

Die sogenannte Cyberchondrie nimmt immer wie mehr Überhand und ist für unser Personal nicht immer ganz einfach zu handhaben. Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zeiten der Digitalisierung und der immer grösseren Infor- mationsflut uns wieder auf alte Werte besinnen werden, nämlich auf die „Face to Face-Kommunikation“.

Herr Schmid, vielen Dank für das sehr spannende und aufschlussreiche Gespräch! Erfahren Sie mehr über die Bellevue Apotheke unter https://bazh.ch